„Muss das jedes Jahr sein?" ist eine der häufigsten Fragen im Impfgespräch – und eine berechtigte. Impfen ist keine Alles-oder-nichts-Entscheidung, sondern eine Abwägung, die zum einzelnen Hund passen sollte. Dieser Überblick zeigt, woran sich diese Abwägung orientiert.
Core und Non-Core: die Grundunterscheidung
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) unterscheidet zwischen Core-Impfungen, die für jeden Hund unabhängig von seinen Lebensumständen empfohlen werden, und Non-Core-Impfungen, die sich nach dem individuellen Risiko richten.
Als Core-Impfungen gelten in Deutschland Staupe, Hepatitis contagiosa canis (HCC), Parvovirose und Leptospirose. Die Tollwutimpfung kommt hinzu – sie ist für Reisen ins Ausland ohnehin vorgeschrieben und auch im Inland dringend empfohlen.
Wogegen geimpft wird
- Staupe – eine Viruserkrankung, die Atemwege, Verdauungstrakt und Nervensystem befallen kann und häufig tödlich verläuft
- Hepatitis contagiosa canis – eine durch Adenoviren ausgelöste Leberentzündung, besonders gefährlich für junge Hunde
- Parvovirose – hochansteckend, extrem widerstandsfähig in der Umwelt, mit schwerem blutigem Durchfall; bei Welpen oft tödlich
- Leptospirose – eine bakterielle Erkrankung, die über Nagetierurin und stehende Gewässer übertragen wird und auch auf den Menschen übergehen kann
- Tollwut – immer tödlich und auf den Menschen übertragbar; Deutschland gilt als frei von klassischer Tollwut, das Reiserisiko bleibt aber bestehen
Der Impfplan beim Welpen
Welpen sind in den ersten Lebenswochen über Antikörper aus der Muttermilch geschützt. Dieser Schutz lässt individuell unterschiedlich schnell nach – und genau deshalb besteht die Grundimmunisierung aus mehreren Terminen und nicht aus einer einzelnen Spritze. Üblicherweise beginnt sie in der achten Lebenswoche und wird in mehreren Schritten bis über den vierten Lebensmonat hinaus fortgeführt, gefolgt von einer Auffrischung etwa ein Jahr später.
Den konkreten Plan legt die Tierarztpraxis fest: Er hängt vom Alter beim ersten Termin, vom verwendeten Impfstoff und von der Situation im Zuchtbestand ab.
Wie oft muss aufgefrischt werden?
Nicht alles muss jährlich sein. Für Staupe, HCC und Parvovirose reicht nach abgeschlossener Grundimmunisierung in der Regel ein Abstand von drei Jahren. Die Leptospirose-Impfung dagegen wird jährlich wiederholt, weil ihr Schutz kürzer anhält. Bei Tollwut richtet sich das Intervall nach der Zulassung des verwendeten Impfstoffs.
Der jährliche Termin bleibt trotzdem sinnvoll – nicht wegen der Spritze, sondern wegen der Untersuchung. Viele Erkrankungen fallen dabei früher auf, als sie es im Alltag würden.
Für Auslandsreisen rechtzeitig planen
Für die Einreise in andere EU-Staaten braucht dein Hund einen gültigen Tollwutschutz, einen EU-Heimtierausweis und eine Mikrochip-Kennzeichnung. Eine erstmalige Tollwutimpfung muss mindestens 21 Tage vor der Einreise erfolgt sein. Für einzelne Länder gelten zusätzliche Auflagen – informier dich mehrere Wochen vor der Abreise.
Non-Core: Was vom Lebensstil abhängt
Diese Impfungen sind nicht für jeden Hund sinnvoll, für manche aber sehr:
- Zwingerhusten (Bordetella bronchiseptica, Parainfluenza) – relevant bei Hundepension, Hundeschule, Tagesbetreuung, Hundesport oder Ausstellungen
- Borreliose – Thema in Regionen mit hohem Zeckenaufkommen, ersetzt aber keinen Zeckenschutz
- Leishmaniose – bei Reisen in oder Adoptionen aus dem Mittelmeerraum
- Babesiose – ebenfalls reisebezogen, in Deutschland nur eingeschränkt relevant
Nebenwirkungen und Titerbestimmung
Die meisten Hunde vertragen Impfungen gut. Leichte Müdigkeit am Folgetag, eine kleine Schwellung an der Einstichstelle oder etwas weniger Appetit sind normal und klingen von selbst ab. Stärkere Reaktionen sind selten, gehören aber in die Praxis.
Für Staupe, HCC und Parvovirose lässt sich der Antikörperspiegel über eine Titerbestimmung im Blut messen. Das kann eine Option sein, wenn du Auffrischungen möglichst gezielt setzen möchtest – für Leptospirose und Tollwut ist dieser Weg allerdings nicht geeignet.
Das Fazit
Ein Hund, der viel unterwegs ist, Artgenossen trifft und mit ins Ausland reist, hat ein anderes Risikoprofil als ein ruhiger Senior, der seine Runden im eigenen Viertel dreht. Genau deshalb lohnt sich das Gespräch: Nicht jede angebotene Impfung ist für jeden Hund gleich sinnvoll – und die Entscheidung triffst du gemeinsam mit deiner Tierarztpraxis.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei konkreten gesundheitlichen Anliegen zu deinem Hund wende dich bitte an deine Tierarztpraxis.
Vorsorge und Absicherung gehören zusammen
Manche Tarife beteiligen sich an Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen, andere nicht. Wir schauen unabhängig und kostenlos, was für deinen Hund wirklich passt.
Kostenlose Beratung anfragen